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Atomkraft ist keine Option – diese Energieform bietet keinen ausreichenden Schutz vor Naturkatastrophen und dem Klimawandel

“Wir haben nicht nur unsere Vergangenheit, sondern auch unsere Zukunft verloren.” Natalia Manzurova, einer der wenigen noch lebenden Aufräumarbeiterinnen von Tschernobyl.

14.03.2011 | WECF Deutschland Pressemitteilung



Sabine Bock, Direktorin von WECF Deutschland, sprach dazu gestern auf der Anti-Atom-Kundgebung auf dem Münchner Karlsplatz Japan hat vor Kurzem das größte Erdbeben in seiner Geschichte erlebt – Viele Leben wurden zerstört und das Land zutiefst in Mitleidenschaft gezogen. Erschwerend kommt hinzu, dass seine Kernkraftwerke ebenfalls betroffen sind: Die Strahlenbelastung hat die zulässigen Höchstwerte überschritten, die Bevölkerung wird evakuiert.

Dies zeigt einmal mehr, dass Kernkraft nicht sicher ist. In Solidarität mit den Opfern von Japan fand am Montag Abend, 14. März, eine Anti-Atom-Kundgebung auf dem Karlsplatz in München statt. Sabine Bock, die Direktorin von WECF Deutschland, hat dabei eine Rede gehalten.

Seit seinen Anfängen im Jahr 1994 hat WECF mit Opfern der Atomkraft gearbeitet; mit Menschen, die in der Nähe von Uranminen und Atomtestgebieten leben, mit Opfern der nuklearen Unfälle in Tschernobyl und Majak.
 
Derzeit sind weltweit 60 neue Atomkraftwerke geplant. Sehr oft wird dabei argumentiert, Atomkraft werde im Kampf gegen den Klimawandel gebraucht, da es weniger Treibhausgase in die Atmosphäre ausstößt. Was jedoch oft übersehen wird, ist, dass Atomkraftwerke sehr anfällig sind gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels: Sie benötigen riesige Mengen an Kühlwasser und in Zeiten von Dürre müssen sie abgeschaltet werden – eine klimatische Bedingung, die immer mehr Länder im Zuge der Erderwärmung erleben werden.

Wie die schweren Waldbrände – die fast nahegelegene Atomkraftwerke erreichten - in Russland im vergangenen Sommer  zeigten, kann der Klimawandel zu Atomkatastrophen ähnlich wie in Tschernobyl, führen.
Kernkraftwerke bleiben eine radioaktive Bedrohung, auch wenn der Betrieb schon lange eingestellt ist. Aber was passiert, wenn die gesamte Anlage einmal aufgrund des steigenden Meeresspiegels unter Wasser steht? Dies würde z. B. mit der geplanten Anlage in Holland passieren.

Zukünftige Generationen tragen die Folgen
Lange Zeit argumentierte die Atomindustrie, dass bisherige Störfälle lediglich aufgrund veralteter Reaktortechnik, wie sie auch in Tschernobyl verwendet wurde, aufgetreten sind. Japan, als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, war jedoch dafür bekannt, die modernsten und sichersten Kernkraftanlagen der Welt zu besitzen. Wenn nun Japans Reaktoren und deren Ingenieure eine Naturkatastrophe wie die jetzige nicht bewältigen können, dann ist es mehr als unwahrscheinlich, dass irgendein anderes Land in der Welt es schaffen würde.
 
Sabine Bock, die Direktorin von WECF Deutschland dazu: "Sie finden keine einzige Versicherung, die die Atomindustrie für den immensen Schaden versichern würde, der im Falle einer Katastrophe entstünde. Am Ende sind es die Steuerzahler und die künftigen Generationen, die mit ihrer Gesundheit, ihrem Leben und ihrem Land bezahlen werden. Wir können die Situation in Japan lediglich erahnen und hoffen, dass sich eine solche Katastrophe nicht wiederholen wird. Das Land kämpft mit den Auswirkungen des Disasters und wir wünschen den Betroffenen nur das Beste.
 
Natalia Manzurova
WECF-Partnerin Natalia Manzurova, Atomwissenschaftlerin und eine der wenigen verbliebenen Aufräumarbeiterinnen nach dem Super-GAU in Tschernobyl, skizziert, was vor 25 Jahren passiert ist: “Stellen Sie sich eine Atomkatastrophe hier in dieser Stadt vor: Wir wären gezwungen, unseren Arbeitsplatz schnellstmöglich zu verlassen und würden in Bussen wegtransportiert. Wir wüssten nicht, was mit unseren Familien, mit unseren Kindern, passiert wäre. Wir würden aufgefordert, uns auszuziehen und neue, fremdartige Kleidung anzulegen. Uns würde schmerzlich bewusst werden, dass wir nie mehr nach Hause zurückkehren und in unseren alten Wohnorten leben könnten – wir hätten unsere Vergangenheit und unsere Zukunft verloren.“
 
LINK: Lesen Sie das vollständige Interview, dass Johanna Hausmann (WECF) mit Natalia Manzurova geführt hat.

WECF hält Kernenergie für inakzeptabel.
Wir fordern deshalb einen schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomkraft und ein Ende der Subventionen in die Kernforschung. Wir akzeptieren nicht, dass die Europäische Kommission das Budget, welches bereits mehr als 50% des gesamten Forschungsbudgets ausmacht, für weitere Forschung der Atomindustrie erneut erhöht,.
Sabine Bock (WECF) weiter: "Exportgarantien für die Atomindustrie, die es beispielsweise in Frankreich gibt, sollten ebenfalls eingestellt werden. Wir sind auch gegen die Vorschläge Japans und anderer Ländern der letzten Jahre, im Rahmen der UN-Klimakonvention (UNFCCC), die Kernenergie für die Klimafinanzierung förderfähig zu machen".

Sabine Bock hatte während der Anti-Atom-Kundgebung, Montag 14. März 2011, auf dem Stachus in München um 19:00 Uhr gesprochen.
 
Weitere Informationen:
  • Sabine Bock, WECF–Direktorin Deutschland: Tel: +49 151 54 78 91 68 sabine.bock@wecf.eu
  • Anne Barre, WECF-Direktorin Frankreich: anne.barre@wecf.eu
  • Sascha Gabizon, WECF-Direktorin International: sascha.gabizon@wecf.eu