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Vision & Strategie

Klimawandel

Die globale Erwärmung besteht in einer graduellen Steigerung der weltweiten Temperaturen durch die Atmosphäre verschmutzende Gase wie Kohlendioxid. Sie sammeln sich in der Atmosphäre rund um den Globus an und verhindern, dass Wärme ins Weltall abstrahlt (Cambridge Dictionary). Der Ausdruck „Klimawandel“ beschreibt dasselbe Phänomen. Er wird in vielen internationalen Berichten verwendet.

Das Klima bildet eine wichtige Komponente des fragilen und vernetzten Ökosystems der Erde. Es wird durch den Klimawandel durcheinander gebracht. Daher ist es eine der wichtigsten Herausforderungen für die Menschheit, etwas gegen den Klimawandel zu tun. 2001 veröffentlichte das International Panel on Climate Change (IPCC), das die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft repräsentiert, die Ergebnisse von Klimasimulationen in einem Bericht über die globale Erwärmung. Die überwältigende Mehrheit der Klimaforscher, repräsentiert vom IPCC, geht davon aus, dass die Menschheit für den größten Teil der Erwärmung verantwortlich ist, weil sie durch die Emission von Klimagasen den natürlichen Glashauseffekt der Atmosphäre verstärkt, der die Erde erwärmt. Die Simulationen zeigten, dass es keine „schnelle Lösung“ für das Problem gibt. Auch wenn sofort keinerlei Klimagase mehr in die Atmosphäre emittiert würden, würde die globale Temperatur durch die Klimagase, die sich bereits in der Atmosphäre befinden, bis über das Jahr 2100 hinaus weiter steigen (MASTANDREA und SCHNEIDER, NASA, 2005). Das IPCC warnt, dass der Menschheit nur noch sechs Jahre bleiben, um den ständigen Anstieg der Klimagas-Emission in die Atmosphäre zu stoppen und den Trend umzukehren, also die Emissionen absolut zu senken.

Angestrebt wird, die Erwärmung auf weltweit durchschnittlich 2 Grad Celsius zu begrenzen. Steigen die Temperaturen darüber hinaus, gehen die weitaus meisten Wissenschaftler davon aus, dass unwiderrufliche und unberechenbare Veränderungen im Klimasystem der Erde eintreten. Sie können katastrophale Folgen für die Fähigkeit der Erde haben, Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen zu liefern. Mögliche Auswirkungen sind das Verschwinden der Regenwälder am Amazonas,  Veränderung der Meeresströmungen, Veränderungen im Monsunsystem und das Abschmelzen der polaren Eiskappen, das zu einem Ansteigen des Meeresspiegels um mehr als sieben Meter führen würde (WBGU 2009). James Hanson, ein Mitarbeiter der amerikanischen Raumfahrtbehörde National Aviation and Space Agency (NASA), spricht davon, dass sich „Planet Erde“ in „höchster Gefahr“ befindet. Laut NASA erwärmt sich die Erde derzeit erheblich schneller als während aller früheren Erwärmungsphasen. Wissenschaftler befürchten, dass sich menschliche Gesellschaften und natürliche Ökosysteme nicht schnell genug an den schnellen Klimawandel anpassen können. Aus all diesen Gründen ist der Klimawandel eine globale Bedrohung, gegen die schnellstens etwas getan werden muss.

Der Zusammenhang zwischen Energiesystem und Klimawandel

Armut, Ungleichheit, Energie und Klimawandel sind miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Klimawandel  und Ungleichheit bedrohen die Erreichung der Millennium Development Goals (MDG), die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgeschrieben wurden (WHO 2009). Klimawandel und der Einsatz nicht nachhaltiger Energieformen verstärken weltweite Gesundheits-, Armuts- und Umweltprobleme.  Der Klimawandel wird Arme in armen Ländern und verletzlichsten Regionen am stärksten treffen (Gebirge, Trockenregionen, Regionen mit geringer Nahrungsmittelproduktion). Er führt zur Überflutung von Inselstaaten und Küstengebieten, verstärkt Hitzewellen, Dürren, Hochwasser, Stürme, das Aussterben von Arten und die Verringerung der Biodiversität sowie die Versauerung der Ozeane, die wiederum deren Fähigkeit reduziert, CO2 aufzunehmen. Weitere Auswirkungen bestehen darin, dass die Wasserversorgung gefährdet wird, weil beispielsweise viele Millionen Menschen von Gletscherwasser abhängig sind. Wissenschaftler prognostizieren, dass sich durch den Klimawandel die Produktion von Nahrungsmitteln um 5 bis 12 Prozent verringern wird. Der Gesundheitszustand wird sich durch Infektionen, Durchfallerkrankungen, Vektor- und nahrungsabhängige Erkrankungen sowie die Todesfälle durch Katastrophen wie Hochwasser oder Stürme verschlechtern. Millionen von Menschen werden vor dem Klimawandel fliehen und das ökonomische Potential wird sich durch den Verlust natürlicher Ressourcen, reduzierte Biodiversität, fehlende Ergiebigkeit von Fischgründen und andere Auswirkungen um bis zu 20 Prozent reduzieren (Stern Review of the Economics of Climate Change 2006).

Die Bereiche, die am meisten Klimagase (GHG, Green House Gases) emittieren, sind Energiesystem, Entwaldung, Siedlungsbau, Transport und Landwirtschaft. In Entwicklungsländern sind die Hauptverursacher von CO2-Emissionen Entwaldung, Siedlungsbau und Transport (IPCC, Poznan, 2008). Werden nur die Emissionen eines der genannten Bereiche reduziert, ist das ineffizient. Klimaschutzmaßnahmen müssen integriert und bereichsübergreifend ausgelegt sein. Deshalb nutzt WECF sein Fachwissen über Energiefragen zur Entwicklung und Umsetzung einer übergreifenden Strategie für Energie und Klimawandel, die miteinander verzahnte Lösungen für die genannten Bereiche umfasst.

Die Strategie von WECF

Innerhalb der letzten Jahre hat sich international das Bewusstsein für den Klimawandel ständig erhöht. Unglücklicherweise bedeutet das nicht, dass es bereits Lösungen gäbe. Tatsächlich erscheint vielen die Aufgabe, gegen den Klimawandel anzugehen, kaum zu bewältigen. Deshalb besteht die klassische Reaktion darin, nichts zu tun. „Je größer ein Risiko ist, desto  größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Vorstellungsvermögen dabei versagt, die Konsequenzen aus der Wahrnehmung dieses Risikos auf den Einzelnen zu realisieren.“ („Plus un risque est grand, plus il est nié tant l`imaginaire se refuse à accepter ce que représenterait pour l`individu la réalisation du risque“, DUPUY, JP, 2004). Dieses psychologisch erklärbare Verhalten führt dazu, zu verleugnen, was wir nicht ändern können, so lange der Öffentlichkeit keine klaren, umsetzbaren Lösungen existieren, die jedem das Gefühl geben, ein Teil der Lösung zu sein und sie beeinflussen zu können.

Wir gehen deshalb auf jeder Ebene gegen den Klimawandel und nicht nachhaltigen Energieeinsatz und –erzeugung vor. Dabei setzen wir auf die Beseitigung von Armut durch effektive, bezahlbare und lokal beeinflussbare Lösungen für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel.

Auf der kommunalen Ebene macht der Klimawandel besonders isolierte ländliche Gemeinschaften verletzlich. WECF ermöglicht es den verletzlichsten Gruppen, sich an den Klimawandel anzupassen. Dafür erleichtern wir den Zugang zu sicherer, nachhaltiger, bezahlbarer und ausreichender Energie. Das bedeutet eine gesündere Umwelt und trägt zur Reduktion von Armut sowie zur nachhaltigen Entwicklung des jeweiligen Landes bei. WECF setzt sich dafür ein, dass (globale) Instrumente und Finanzmittel zur Anpassung an den Klimaschutz für Frauen, Ureinwohner, marginalisierte Gruppen und Arme zugänglich sind. Dadurch unterstützen diese finanziellen Mittel die lokale Erzeugung erneuerbarer Energie und lokale Investitionen, die den Ausstoß von Kohlendioxid verringern, erhöhen die Nachfrage nach lokal erzeugten Produkten und Dienstleistungen, stärken lokale Märkte, erhöhen die Kontrolle über lokale Ressourcen und stellen die Partizipation von Frauen sicher.

Gleichzeitig können der Zugriff auf finanzielle Mittel zum Klimaschutz und für Anpassungsmaßnahmen sowie der Zugriff auf nachhaltige, sichere, bezahlbare Energie in ausreichender Menge für Haushalte den Lebensstandard deprivierter Gruppen verbessern. Zum Beispiel kann erneuerbare Energie die Luftverschmutzung in Innenräumen verringern, Gesundheit und Hygienie durch klimaangepasste Sanitärsysteme verbessern, Waldökosysteme konservieren und restaurieren und den Zugang zu integrierter, sicherer und bezahlbarer Mobilität eröffnen.

Unsere Politik hinsichtlich der Anpassung an den Klimawandel konzentriert sich ebenfalls auf den Aufbau von Kapazitäten mit partizipatorischem Ansatz, innovative Technologien und Arme begünstigende finanzielle Mechanismen. Dabei kooperieren wir mit Schulen, Wissenschaftlern, Unternehmen und Institutionen des Finanzwesens.

Auf nationaler und internationaler Ebene vertritt und fordert WECF den Wechsel von fossilen Energiequellen und Nuklearenergie zu nachhaltigen und dezentralen Alternativen. Dafür dokumentieren wir die Schäden durch Fossil- und Nuklearenergie und die positiven Auswirkungen nachhaltiger Energien. WECF bemüht sich, die Gender- und Menschenrechtsperspektive in internationale Verhandlungen wie UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) und die internationale Konferenz zu Erneuerbaren Energien (International Renewable Energy Conference), einzubringen. Dort setzen wir uns für Mechanismen ein, auf die auch lokale Gemeinschaften, NGOs und Frauenorganisationen zugreifen können.

Schwerpunkt Gender

Entscheidend ist, dass der nationale und globale politische Prozess die Partizipation aller betroffenen Völker sicherstellt und auf den lokalen Erfahrungen und dem lokalen Wissen über Klima, Entwicklung und die Beseitigung struktureller Armut aufbaut. Der politische Umgang mit dem Klimawandel, seine „Governance“, sollte unter globalem Blickwinkel erfolgen und die Perspektive der verwundbarsten Länder und Völker als zentral für den Schutz der Menschheit begreifen. Der strukturelle Wandel zur De-Karbonisierung der wirtschaftlichen Entwicklung kann sollte auf Frauen und zivilgesellschaftliche Gruppen als „Schlüsselagenten“ in strategischen Allianzen setzen.

Frauen und Kinder, Vertriebene und Ureinwohner, Land- und Slumbewohner sind am härtesten betroffen. Frauen sind verletzlicher gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels als Männer – primär, weil sie die Mehrheit der Armen der Welt ausmachen und weil sie für ihren Lebensunterhalt besonders abhängig von natürlichen Ressourcen sind, die der Klimawandel bedroht. Gleichzeitig sind sie effektive Handelnde oder Agenten des Wandels bei Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel. Außerdem haben Frauen oft viel Wissen und Erfahrung, das für den Klimaschutz, zur Katastrophenvorsorge und für Anpassungsstrategien genutzt werden kann. von Frauen tragen als Verwalterinnen der Haushalts- und Naturressourcen die Verantwortung für Haushalte und Gemeinden. Das gibt ihnen hohes Potential, zu an die sich verändernden Umweltbedingungen angepassten Überlebensstrategien beizutragen.