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Ein klares NEIN zu Hormongiften in unserem Leben

Machen Sie mit und unterzeichnen Sie einen dringenden Appell an die Bundeumweltministerin Frau Barbara Hendricks und den Landwirtschaftsminister Herrn Christian Schmidt für ein NEIN zu den Vorschlägen der EU-Kommission zur Identifizierung von hormoneller Schadstoffe!

04.08.2016 |




Unseren gemeinsamen Appell an die Bundesminister können Sie beim Umweltinstitut München, bei SumOfUs und beim BUND unterzeichnen - alle Unterschriften auf diesen Aktionsseiten werden zusammengefasst.

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Hendricks,
sehr geehrter Herr Bundesminister Schmidt,

hormonelle Schadstoffe sind eine Gefahr für unsere Gesundheit und die Umwelt. Sie wirken wie natürliche Hormone und bringen so die körpereigenen Steuerungsprozesse bei Mensch und Tier durcheinander. Dies gilt insbesondere in kritischen Entwicklungsphasen, während der Schwangerschaft, im frühen Kindesalter und in der Pubertät. Hormonell schädliche Stoffe befinden sich in vielen Produkten unseres Alltags und werden mit schwerwiegenden Gesundheitsschäden wie Unfruchtbarkeit, Diabetes, Missbildungen und verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht. Auch Wildtierpopulationen sind in hohem Maße durch hormonell schädliche Stoffe gefährdet, da sie ihre Fortpflanzung und das Immunsystem beeinträchtigen können.

Das Europäische Parlament und die EU Mitgliedsstaaten haben deshalb schon 2009 die Zulassung dieser sogenannten endokrinen Disruptoren (EDCs) als Pestizidwirkstoffe und 2012 als Biozidwirkstoffe per Gesetz verboten. Doch ein neuer Vorschlag der EU-Kommission droht das Verbot praktisch wirkungslos werden zu lassen: Die Kommission hat Kriterien zur Identifizierung von EDCs vorgeschlagen, durch die diese Gesetze eigenmächtig verändert und Schutzstandards untergraben werden. Die Hürden für die Einstufung als EDC würden damit so hoch gesetzt, dass nur sehr wenige Stoffe erfasst und verboten werden könnten. Dieser Vorschlag ist ein Skandal und darf Ihre Zustimmung auf keinen Fall finden!

Unsere Gesundheit und die unserer Kinder sind wichtiger, als die Profitinteressen der Chemie- und Pestizidindustrie! Sie haben es in der Hand: Machen Sie Ihren Einfluss geltend, damit hormonelle Schadstoffe aus unserem Alltag verschwinden. Dazu müssen Kriterien festgelegt werden, anhand derer alle hormonell schädlichen Stoffe auch als solche erkannt, eingestuft und verboten werden können. Sorgen Sie daher für ein deutsches NEIN zum Kommissionsvorschlag.

Freundliche Grüße



Dies ist eine gemeinsame Aktion vom Umweltinstitut München e.V., SumOfUs, WECF Deutschland (Women in Europe for a Common Future)Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Health and Environment Justice Support (HEJSupport) und PAN Germany.




Warum jetzt dieser Appell?

Die Weltgesundheitsorganisation warnt: Hormonschädliche Chemikalien, hormonelle Schadstoffe oder kurz EDCs (Endocrine Disrupting Chemicals) sind eine „globale Bedrohung“. Brust- und Prostatakrebs, Unfruchtbarkeit, und Diabetes sind nur einige Erkrankungen, die mit diesen Chemikalien in Verbindung gebracht werden. Auch Wildtierpopulationen sind in hohem Maße durch hormonell schädliche Stoffe gefährdet, da sie ihre Fortpflanzung und das Immunsystem beeinträchtigen können. Verwendung finden Chemikalien mit dieser gefährlichen Eigenschaft u.a. als Pestizide, Biozide oder stecken als Inhaltsstoffe in Kosmetika, Kunststoffartikeln und sogar in Spielzeug und Lebensmittelverpackungen.

Anstatt diese Chemikalien endlich aus dem Verkehr zu ziehen, sägt die Europäische Kommission mit ihren aktuellen Vorschlägen für Kriterien zur Identifizierung von hormonellen Schadstoffen am Vorsorgeprinzip - ganz im Sinne der Chemiemultis. Denn die Vorschläge der Kommission legen die Hürden für die Einstufung von hormonell wirksamen Stoffen so hoch, dass nur die wenigsten hormonaktiven Chemikalien darunterfallen würden. Damit untergräbt die Kommission das in der europäischen Gesetzgebung verankerte Verbot von hormonellen Schadstoffen als Wirkstoffe für Pestizide und Biozide.

Nun müssen die EU Mitgliedstaaten darüber entscheiden, ob sie diese Vorschläge unterstützen oder die Kommission zum Nachbessern auffordern.
Wir möchten mit dieser Aktion an die deutsche Bundesregierung ein Zeichen senden, diese skandalösen Vorschläge abzulehnen und im Sinne der verankerten Rechtstexte eine Verbesserung von der EU-Kommission zu fordern.

Was sind EDCs?

Endokrine Disruptoren, EDCs, kurz für Endocrine Disrupting Chemicals, werden häufig auch als Umwelthormone, hormonell oder endokrin wirksame Chemikalien/Schadstoffe oder hormonverändernde Stoffe bezeichnet. Sie finden sich in Alltagsprodukten und Lebensmitteln und können über die Atmung die Haut oder die Nahrungsaufnahme gelangen sie in den menschlichen Körper. Pestizide mit endokriner Wirkung gelangen z.B. über Rückstände in Lebensmitteln zu den Konsumenten. EDCs besitzen die Eigenschaft, das empfindliche Hormonsystem von Menschen und Tieren zu stören. Ungefähr 800 Stoffe sind bekannt, für die eine endokrine Wirkung nachgewiesen oder vermutet wird. Dazu gehören Pestizide, Biozide, Weichmacher in Kunststoffen wie Phthalate sowie Bisphenol oder Polychloride Biphenyle (PCB) zum Beispiel in Elektrokabel. Die WHO spricht in Zusammenhang mit EDCs von einer „globalen Bedrohung“.

Warum sind hormonell wirksame Stoffe so gefährlich?

EDCs können im Körper natürliche Hormone imitieren oder blockieren und können so hormonelle Prozesse verhindern oder zur falschen Zeit in Gang setzen. Dies kann die Grundlage für Krankheiten sein, die erst später im Leben auftreten.
Mehr als 1300 wissenschaftliche Studien bringen hormonell wirksame Chemikalien mit der Zunahme von hormonbedingten Krebsarten wie Brust- oder Hodenkrebs, mit Fruchtbarkeitsstörungen, Diabetes und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern in Zusammenhang. Dies zeigt die wissenschaftliche Auswertung der anerkannten International Endocrine Society, einer internationalen Vereinigung der führenden Endokrinologen. Auch die Internationale Föderation für Gynäkologie und Geburtshilfe FIGO bestätigt in einer Stellungnahme vom Oktober 2015 den immer deutlicher werdenden Zusammenhang zwischen vorgeburtlicher Exposition gegenüber gesundheitsschädlichen Chemikalien und schlechter Gesundheit und mahnt zu Vorsorgemaßnahmen. Beinahe jedes Baby kommt laut FIGO vorbelastet zur Welt.
   
Hormonelle Schadstoffe wirken schon in geringsten Mengen und gefährden besonders Entwicklungsprozesse während der Schwangerschaft, der Kindheit und Pubertät. Als Umweltschadstoffe beeinträchtigen sie außerdem die Fortpflanzung und das Verhalten von Wildtieren und bedrohen so Lebensgemeinschaften und Artenvielfalt. Ausführliche Übersichten bieten der WHO/UNEP-Bericht sowie der „Weybridge+15“-Bericht der europäischen Umweltbehörde.

Was kosten uns EDCs?

Die Industrie argumentiert gerne mit hohen Kosten und dem Verlust von Arbeitsplätzen, sollte die Produktion hormoneller Schadstoffe gesetzlich eingeschränkt oder verboten werden. Neben dem Leid, das hormonelle wirksame Stoffe im Leben von Menschen auslösen können, werden häufig auch die enormen Gesundheitskosten, die für hormonell bedingte Krankheiten anfallen, vergessen. In der EU werden diese auf mindestens 636 Milliarden Euro pro Jahr beziffert, wobei noch nicht alle relevanten Krankheiten berücksichtigt wurden. Eine Studie der Health and Environmental Alliance (HEAL) geht allein für Deutschland von über 100 Milliarden Euro Kosten durch Gesundheitsschäden und Krankheiten aus, die im Zusammenhang mit Endokrinen Disruptoren stehen. In Deutschland könnten bei vorsichtiger Schätzung unter Berücksichtigung einer begrenzten Zahl hormonbedingter Erkrankungen rund fünf Milliarden Euro eingespart werden, wenn nur ein geringer Anteil an hormonbedingten Krebsarten, Diabetes, Fettleibigkeit und Unfruchtbarkeit durch eine Verringerung der Belastung mit EDs vermieden werden könnte.

Gesundheitsschutz in Gefahr

2009 wurde das Europäische Pestizidrecht überarbeitet. Damals setzte das Europäische Parlament durch, dass hormonell wirksame Substanzen nicht mehr als Wirkstoff in Pestiziden zugelassen werden dürfen. Allerdings fehlte bislang ein abgestimmtes Verfahren, wie diese Stoffe zu identifizieren sind. Deshalb wurde die EU-Kommission damit beauftragt, bis zum Dezember 2013 Kriterien für die Identifizierung hormoneller Schadstoffe festzulegen. Im Jahr 2012 wurden hormonell wirksame Stoffe auch als Wirkstoff für Biozide (Schädlingsbekämpfungsmittel, Schutzmittel, Desinfektions-und Konservierungsmittel) verboten. 

Doch die EU-Kommission hat die Festlegung der Kriterien für die Identifizierung über Jahre verschleppt. Im vergangenen Dezember wurde die Kommission deshalb sogar vom Europäischen Gerichtshof verurteilt, „ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen zu sein“.

Nach Jahren der Verzögerung legte die Kommission im Juni 2016 endlich zwei Entwürfe (einen für das Pestizid- und einen für das Biozidrecht) zur Festlegung der Kriterien für die Identifizierung hormonell wirksamer Stoffe vor. Diese Entwürfe sind jedoch meilenweit davon entfernt, uns vor diesen Chemikalien ausreichend zu schützen. Nach Ansicht der Kommission sollen Stoffe erst dann verboten werden können, wenn Schäden bei Menschen erwiesen oder bekannt sind. Damit wird eine hohe Beweislast aufgetürmt, die absolut unüblich im Chemikalienrecht ist. Die Vorschläge widersprechen klar dem in der EU verankerten Vorsorgeprinzip.  

Besonders brisant: Die vorgeschlagenen Kriterien sollen auch als Blaupause für alle anderen Gesetze dienen, in denen Chemikalien reguliert werden. So würde der Schutz vor hormonell wirksamen Stoffen auch in anderen Produkten, wie Kosmetika, Kunststoffartikeln und Bauprodukten untergraben werden. Umso wichtiger ist es, dass jetzt, wirkungsvolle Kriterien festgelegt werden, die es erlauben, möglichst viele hormonell wirksame Schadstoffe aus dem Verkehr zu ziehen.

Wir appellieren für ein deutsches NEIN zu den Kommissionsentwürfen

Unsere Bundesregierung und die anderen Mitgliedsstaatenhaben es in der Hand. Noch kann der skandalöse Vorschlag der EU-Kommission gekippt werden. Deshalb sind jetzt die zuständigen Bundesminister gefragt: Sie können den beiden Kommissionsentwürfen die Zustimmung verweigern und für einen Schutz unserer Gesundheit und der Umwelt vor EDCs stimmen, wie er in den Gesetzen festgeschrieben wurde. Die nächsten Debatten werden in den Fachausschüssen vom 21. bis 23. September 2016 geführt werden.

Viel Zeit bleibt nicht. Unterstützen Sie deshalb jetzt unseren Appell. Werden Sie Teil dieser gemeinsamen Aktion und senden Sie mit Ihrer Unterschrift ein deutliches Signal nach Berlin.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter: http://www.wecf.eu/german/projekte/edc_kampagne.php und www.nestbau.info


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