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Warum Frauen für eine gelungene Klimapolitik unerlässlich sind

Ein Gender Action Plan für mehr Geschlechtergerechtigkeit ist längst überfällig

02.11.2017 |




Vom 6. bis 17. November 2017 findet in Bonn die 23. Weltklimakonferenz unter Präsidentschaft der Fidji Inseln statt. Ein wichtiger Punkt auf der Agenda ist die Diskussion und Verabschiedung eines Gender Action Plans, der die paritätische Teilhabe und Mitbestimmung von Frauen an der Klimapolitik und die Berücksichtigung genderspezifischer Maßnahmen zum Klimaschutz sicherstellen soll. Da Klimagerechtigkeit ohne Gendergerechtigkeit nicht möglich ist, weil Kapazitäten, Know-how, die Perspektive und spezielle Bedürfnisse von 50 % der Weltbevölkerung für eine positive Klimapolitik nicht unberücksichtigt bleiben dürfen, hat die COP 23 nun das Mandat, einen Gender Action Plan zu verabschieden, der für die gesamte Klimarahmenkonvention gilt, alle Themen betrifft und damit die Arbeit aller Delegierten leiten soll. Der Weg dahin war lang.

Kurze Historie - Frauen bei den Klimaverhandlungen

Die erste Entscheidung in Bezug auf Gleichstellung und Beteiligung von Frauen bei den Klimaverhandlungen wurde 2001 gefällt. Bei der Weltklimakonferenz in Bali, 2010, nahmen die Vertragsparteien mehrere Entscheidungen an, mit Blick auf die Bereiche Finanzierung, Adaption und des Kapazitätenaufbaus eine Genderdimension aufzunehmen. Die Konferenz sandte die starke Botschaft aus, dass für wirksame Klimamaßnahmen die Gleichstellung der Geschlechter und Beteiligung von Frauen sicherzustellen sei. Die Teilnehmerstaaten haben seither, unterstützt von Organisationen der Zivilgesellschaft und von UN-Behörden, Aspekte der Gleichstellung der Geschlechter in fast alle Themenbereiche der angenommenen UNFCCC-Entscheidungen integriert.

Dies beinhaltet:

  • die bemerkenswerte Doha Entscheidung 23 / CP.18 aus dem Jahr 2012, die mit der Parität und Beteiligung für Frauen verknüpft ist;
  • den Start des Lima Arbeitsprogramm zu Gender (LWPG);
  • die Präambel des Pariser Abkommens und seine Artikel 7 und 11 zur Anpassung und Kapazitätsaufbau;
  • die Entscheidung 21 / CP.22 zur Bewusstseinsbildung und zum weiteren Aufbau von Kapazitäten.

Trotz all dieser Entscheidungen sind Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern, oft durch die Folgen des Klimawandels verstärkt, kaum und meist schlecht untersucht und bewertet, und die spezifischen Bedürfnisse von Frauen bleiben in der Ausarbeitung, Planung und Finanzierung von Klima Politiken nur unzureichend berücksichtigt.

Keine Klimagerechtigkeit ohne Geschlechtergerechtigkeit

Nicht jeder ist in gleicher Weise vom Klimawandel betroffen, der auch im vergangenen Sommer in den weltweiten Naturkatastrophen, wie z. B. in Sierra Leone, Mexiko, USA und Puerto Rico unübersehbar wurde.

Viele effiziente, der Situation angepasste und bezahlbare Lösungen von Frauen zum Schutz vor dem Klimawandel werden oft von Entscheidungsträgern übersehen. Stattdessen priorisieren diese technischen Lösungen und teure Prestige-Projekte. Um jedoch die Langlebigkeit von Klimaschutzmaßnahmen sicher zu stellen, müssen Projekte und politische Maßnahmen eine Antwort auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen geben. Diese Bedürfnisse unterscheiden sich je nach der Geschlechterrolle in der Gesellschaft, nach Klasse und Rasse und danach, ob man im globalen Süden oder Norden oder auf dem Land oder in der Stadt lebt.

Die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Gebieten und Bevölkerungsgruppen, die mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert sind, ist entscheidend. Frauen sind oft diejenigen, die traditionelles Wissen bewahren und auf die Bedürfnisse ihrer Gemeinschaft und Gebiete, indem sie Strategien zur Anpassung und Minderung der Folgen anwenden. Frauen initiieren Genossenschaften für erneuerbare Energien in Georgien, die Entkolonialisierung der Landwirtschaft und die Erhaltung der Artenvielfalt mit Samenbanken in Indien und an der Elfenbeinküste; sie kämpfen gegen die Entwaldung in Malaysia und drängen auf innovative Landwirtschaft durch die Verbesserung der Fruchtbarkeit des Bodens in Nepal. Ihre lokalen Erfolgsgeschichten könnten weitreichend sichtbar und repliziert werden, wenn man ihre Bedeutung für die Klimapolitik richtig einschätzen würde und sie bei der internationalen Suche nach Lösungen berücksichtigt und finanziert würden.

Ein Gender Action Plan (GAP) für mehr Geschlechtergerechtigkeit

#MindTheGAP

Eine der Prioritäten der Fidschi-Präsidentschaft für die 23. Weltklimakonferenz 2017 in Bonn ist es, den Gender Action Plan fertigzustellen und zu verabschieden. Den Weg zum GAP finden Sie oben skizziert (Kurze Historie - Frauen bei den Klimaverhandlungen), die dazugehörigen Mandate finden Sie in der Zeitskala im Infokasten in unserer Pressemappe im Anhang (in Englisch).

Verabschiedung eines starken Gender Action Plans (GAP)

ein umfassender, zielgerichteter und finanzierter zwei Jahres Gender Action Plan (GAP) als wichtiges Ergebnis des COP23, um dringend geschlechtergerechte und menschenrechtebasierte Klimapolitik und Maßnahmen voranzubringen. Der GAP muss ein Instrument sein, das effizient das Gesamtziel unterstützt, den dringenden notwendigen Übergang von einer zutiefst ungerechten, auf fossilen Brennstoffen basierten Wirtschaft zu einem nachhaltigeren, gerechten und gleichberechtigten Wirtschaftsmodell zu schaffen, das die Menschenrechte der Frauen und die Gleichberechtigung gewährleistet.

Der GAP ist nicht nur wichtig, um bestehende Geschlechterungleichheiten zu bekämpfen und die Frauenrechte zu stärken, sondern auch um die Effizienz der Klimapolitik zu verbessern, und damit zu höheren Klimaambitionen bei dem Vermittlungsdialog beizutragen. Der Aktionsplan sollte für die gesamte Klimarahmenkonvention gelten, alle Themen betreffen und damit die Arbeit aller Delegierten leiten.

Dazu müssen alle Vertragsländer so bald wie möglich ihre Gender-Focal-Points für die Klimaverhandlungen, der Umsetzung und Überwachung ihrer Klimapolitik benennen (Entscheidung 21 / CP.22, Absatz 22). Bis jetzt haben nur 7 Länder dies getan.

Inhaltlich muss der Aktionsplan ein deutlicher Qualitätssprung sein hinsichtlich der Fähigkeit von Staaten und nichtstaatlichen Akteuren, Klimapolitiken, die die Geschlechtergleichheit vollständig integrieren, zu entwickeln und umzusetzen. Dazu gehört auch die Auswirkungen dieser Politiken zu bemessen, z. B. durch geschlechtsspezifische Budgetierung.

Unsere Forderungen für den GAP

  • Fortschritt bei der Implementierung einer gender-responsiven Klimapolitik Entwicklung, Bereitstellung und Berichterstattung auf nationaler Ebene, insbesondere durch Gender Budgeting in Klimaprogrammen.
  • Erhöhte Verfügbarkeit von Geschlecht und Gender differenzierter Daten und Analysen (einschließlich Daten basierend auf lokalem und traditionellem Wissen, einschließlich des traditionellen Wissens von Frauen).
  • Erreichung des Ziels des Geschlechtergleichgewichts in allen Aspekten der Klimapolitik, bei Delegationen, in Gremien und Institutionen der UNFCCC sowie auf regionaler und nationaler Ebene und die Zusicherung der vollen und wirksamen Beteiligung lokaler, ‚grassroot' und indigener Frauen in all diesen Bereichen.
  • Das Ziel von 100% gender-responsiver Klimafinanzierung und andere Durchführungsmodalit.ten, einschließlich der Sicherstellung umwelt- und sozialverträglichen Technologietransfers und Entwicklung.
  • Finanzierung des Gender Action Plans - Die Women and Gender Constituency WGC betont, dass Regierungen entwickelter Länder dringend Ressourcen für die spezifischen Aktivitäten des GAP zur Verfügung stellen müssen, sowohl die Sicherstellung notwendigen Ressourcen für die UNFCCC Gender Focal Points als auch für geschlechtsspezifische Klima-Aktivitäten in wichtigen Finanzierungsinitiativen und -plänen.

Mehr Informationen zu den Aktivitäten von WECF und der WGC auf der COP 23 in Bonn finden Sie auch auf der WECF Webseite hier

Besuchen Sie uns in Bonn an unserem Informationsstand in der Bonn Zone, den genauen Standort finden Sie auf dem Lageplan vor Ort.


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