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Nachhaltigkeit braucht Gerechtigkeit!

Blitzlicht-Beitrag zur bayrischen Nachhaltigkeitstagung

28.11.2018 |





Blitzlicht zur bayrischen Nachhaltigkeitstagung am 20. November 2018
- ein Beitrag von Katharina Habersbrunner

Fragt frau in die Runde von Freunden, was sie unter Nachhaltigkeit verstehen, ist es meist „Umwelt“. Es hat gedauert bis soziale Themen mit Umweltthemen verknüpft wurden. Es waren vor allem die Gewerkschaften, die viele Jahre auf die sozialen Voraussetzungen für den ökologischen Umbau hingewiesen haben. 

Denn trotz Fortschritten bei Armutsbekämpfung, Gesundheit und Bildung schafft das derzeitige Wirtschaftssystem keinen Wohlstand für alle, sondern verfestigt bestehende Verteilungsgefälle: wir sind uns bewusst, dass es eine tiefe Kluft zwischen unserem Land und den sogenannten Entwicklungsländern gibt, doch wir verdrängen nicht nur die Tatsache, sondern auch oft das Maß der Ungerechtigkeit innerhalb Deutschlands - beim Zugang zu Bildung, Vermögen, Einkommen. Und der Arbeitsmarkt ist gespalten in Festanstellungen mit Rentenanspruch und Leiharbeit und Minijobs, oft ohne soziale Sicherung und zu ärmlichen Mindestlöhnen. 

In der Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren Zielen für nachhaltige Entwicklung ist das Thema soziale Ungerechtigkeit nun eng mit ökologischen und entwicklungspolitischen Zielen verbunden. 

Soziale Gerechtigkeit ist ein Menschenrecht, seit 70 Jahren versprochen! Soziale Gerechtigkeit bewirkt gesellschaftlichen Zusammenhalt, sozialen Frieden und Stabilität und ist damit der Klebstoff für eine nachhaltige und demokratische Gesellschaftsform. 

Doch die Ungerechtigkeiten nehmen zu. 

Die globale Vermögensungleichheit hat sich drastisch verschärft. 8 Männern gehört mehr als der halben Weltbevölkerung, das sind 426 Mrd. Dollar.  Vermögen häuft sich an der Spitze an. In Deutschland vereint das reichste Prozent knapp ein Drittel des Vermögens auf sich; 2008 waren es noch 22%. Der extreme Reichtum einiger weniger ist untrennbar verbunden mit der Armut und Ausbeutung von vielen. Das ist UNGERECHT!

Durch Konflikte, Naturkatastrophen, verzerrten Welthandel, permanente Menschenrechtsverletzungen und Ressourcenverschwendung werden bereits ungerechte Strukturen verstärkt. Wir sehen es am Klimawandel: Wenn alle Menschen so lebten wie wir, wären Ressourcen wie Wasser und Böden bald verbraucht. Unser ökologischer Fußabdruck braucht 3 Erden! Die Folgen haben andere zu tragen: Ausbreitung von Wüsten, Wasserknappheit und extreme Wetterphänomene als Folge des Klimawandels machen sich vor allem in den Ländern bemerkbar, die ohnehin an Hunger und Armut leiden. Wollen wir das? NEIN! Das ist UNGERECHT!

Wie sieht es bei uns in Deutschland aus?

Bildungsgerechtigkeit? Für Deutschland als Wissensgesellschaft ist und bleibt Bildung eine der zentralen gesellschaftlichen Ressourcen, die für den Abbau von Ungleichheiten entscheidend ist. Gerade im vergangenen Jahrzehnt, mit zahlreichen Krisen in Europa, großen Migrationsbewegungen und dem Vormarsch der Digitalisierung, muss durch gleiche Bildungschancen dem Gefühl des Abgehängt Werdens entgegengewirkt werden. Aber noch immer ist Bildung stark klassengeprägt. Es muss für alle entsprechend ihren Fähigkeiten möglich sein, durch Bildung in die Mitte der Gesellschaft aufzusteigen. Auch Kinder, deren Eltern nicht mit Geduld und Druck für schulischen Erfolg sorgen, die arm sind oder einfach nicht gut genug Deutsch sprechen. Das ist UNGERECHT!

Kinderarmut bedeutet beengtes Wohnen, wenig Geld für gesundes Essen, Sport, Urlaub oder Internetzugang und nur geringe Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe. In Deutschland leben rund 21 % aller Kinder mindestens fünf Jahre dauerhaft oder wiederkehrend in einer Armutslage. D.h. wer einmal arm ist, bleibt lange arm. Und Kinder können sich nicht selbst aus der Armut befreien. Das ist UNGERECHT! 

Soziale Ungerechtigkeit schafft bei den Menschen das Gefühl von Ohnmacht, Ausgrenzung und Chancenlosigkeit. Als Protestventil sehen wir die Zunahme rechtspopulistischer Parteien in Deutschland und in anderen Ländern. Wie wollen wir so nachhaltige Gesellschaften aufbauen? 

Daher müssen die Ungerechtigkeiten abgebaut werden zwischen Arm und Reich, zwischen Frauen und Männern, zwischen Stadt und Land, zwischen Nord und Süd, in Deutschland und weltweit. Der Anspruch sozialer Gerechtigkeit verlangt Taten, einerseits persönliche, andererseits gemeinsame Anstrengungen, die alle Bereiche der Politik betreffen: Eigentums-, Steuer-, Sozial-, Bildungs-, Gesundheits- und natürlich auch Wirtschaftspolitik.

Eine mögliche Maßnahme: Die UN verabschiedet ein weiteres Ziel, SDG 18: „Halbierung des extremen Reichtums bis zum Jahr 2030". Ob es die 8 Männer bemerken würden?? Vermutlich schon, aber was würde sich für sie ändern, wenn sie nur noch 213 Mrd. Dollar hätten?

Nachhaltigkeit braucht Gerechtigkeit! Wir können nicht mehr warten. Das wußte schon Martin Luther King „Ungerechtigkeit an irgendeinem Ort bedroht die Gerechtigkeit an jedem anderen.“

Katharina Habersbrunner, Energie- und Klimaexpertin
katharina.habersbrunner@wecf.org


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