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Wie steht es um den Klimaschutz in München?

#StopUngleichheit

06.09.2018 |





#StopUngleichheit
Der Klimaherbst e.
V. zu SDG 13 - 
Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen
 

Mona Fuchs, Geschäftsführerin Netzwerk Klimaherbst e.V. und Projektleiterin Münchner Klimaherbst


Sind wir in München beim Thema Klimaschutz schon auf dem richtigen Weg?

Leider nein. Wir hier in München sind die „König*innen der Papiertiger“: So haben wir beispielsweise einen sehr allumfassenden, sehr gut recherchierten Nachhaltigkeitsbericht aus dem Jahr 2014, auf den aber leider – trotz Stadtratsbeschluss – weder eine Strategie oder ein Maßnahmenpaket folgten. Ebenso haben wir einen Beschluss zur „Klimaneutralität 2050“, der auf Basis einer Studie des Ökoinstituts fußt. Maßnahmen wie die Klimaneutralität erreicht werden soll, wurden aber noch nicht beschlossen. Die Basis zum Erreichen selbiger im urbanen Raum, also eine Verkehrs- und eine Energiewende lassen aber auf sich warten. Man muss sich mal vorstellen, dass die Stadt teilweise heute noch Wohnungen nach KfW 70 Standard baut. Im Jahr 2018!


Wo gibt es Ansatzpunkte und wo bestehen noch (die größten) Lücken?

Sämtliche Bereiche des Lebens im urbanen Raum zeigen eklatante Lücken auf: Bauen und Sanieren, sowie der Ausbau Erneuerbarer Energien sind große Hebel im Kampf gegen den Klimawandel. Aber auch eine Verkehrswende (Autofreie Stadtviertel, Förderung von Rad- und Fußverkehr, Carsharing, Ausbau ÖPNV, kostenfreier ÖPNV?, Ausbau Infrastruktur E-Mobility, tbc.) ist von enormer Bedeutung.

Doch auch stadtgestalterisch kann viel gegen die Auswirkungen des Klimawandels unternommen werden: Fassaden- und Dachbegrünung, unversiegelte Flächen, Freilegung von Stadtbächen, Wasserrinnen, Trinkwasserbrunnen, tbc., können Hitzeschneißen und anderen Klimawandelfolgen vorbeugen.

 
Gibt es Städte / Kommunen, die München ein Vorbild sein könnten? 

Was die Mobilitätswende angeht, lohnt sich natürlich immer der Blick nach Amsterdam, Kopenhagen oder Münster. Neuerdings auch Ljubljana, die eine wirklich tolle, lebensfreundliche Stadtgestaltung umsetzen. 

Was Energie angeht, gibt es natürlich einzelne, autarke Dörfer/Kleinstädte. Auch die Kommune Steinfurt im Deutschen Norden hat ein spannendes Energiekonzept. Dieses Video gibt einen kurzen Einblick: https://youtu.be/cyd4y26aMtU. Doch für eine Millionenstadt wie München taugt der Vergleich allerdings nicht. Hier ist München gefordert, ein eigenes Konzept zu entwickeln. Divestment und der Kohleausstieg sind aber auch für kommunale Großkaliber München möglich. 

Mit welchen Aktivitäten versucht das Netzwerk Klimaherbst die Umsetzung von SDG 13 in München zu erreichen?

Unsere Aktivitäten basieren auf zwei Säulen: Verhaltensänderungen in der Zivilgesellschaft zu forcieren und Einfluß auf Politik und Verwaltung zu nehmen. Ersteres gelingt uns durch größtenteils kostenlose Veranstaltungen unterschiedlichsten Formats an verschiedenen Orten im gesamten Stadtgebiet: So erreichen wir sämtliche Gesellschaftsschichten. Besonders angewandte Formate wie Workshops, Kleidertauschparties oder unsere Klima.DULT kommen gut bei Menschen mit geringerer Vorbildung zu Klimawandelthemen an. 

Unser zweites Themenfeld, die Lobbyarbeit, machen wir zumeist im Rahmen von Bündnissen wie beispielsweise der von uns mitgegründeten Münchner Initiative Nachhaltigkeit, oder aber im Sprecher*innenkreis des Bündnisses für Luftreinhaltung und im Fachbeirat für Bürgerschaftliches Engagement. Wenn unser Jahresthema konkret genug ist, wie „Energie“ in diesem Jahr, entwickeln wir mit all unseren Partner*innen politische Forderungen. (2018: Für eine zukunftsfähigen Münchner Energiepolitik http://klimaherbst.de/forderungen/ )


Spielen die SDGs und die Agenda 2030 eine Rolle in Euren Aktivitäten?

(z.B. wird sie kommuniziert oder politisch genutzt?)

Auf jeden Fall. Besonders im Bereich Lobbyarbeit nutzen wir die SDGs, da ja auch unser Oberbürgermeister die Resolution "2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten"  des Deutschen Städtetages unterzeichnet hat. Auch das Gesamtkonstrukt von MIN, der Münchner Initiative Nachhaltigkeit, fußt auf den SDGs. Das jeweilige Jahresthema unserer großen Veranstaltungsreihe „Münchner Klimaherbst“ beinhaltet natürlich immer SDG13 aber auch andere, bedürfnisorientierte Themen der SDGs, wie in diesem Jahr 7, 9 und 11. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass wir in nahezu allen Veranstaltungen mit der „Vogleperspektive“ beginnen, also die globale Sichtweise einnehmen, um dann das jeweilige Thema, bzw. SDG, auf lokale Ebene „herunterbrechen“, also die kommunale Umsetzbarkeit beleuchten.

Welche Forderung habt ihr an die Politik, die zur Umsetzung des SDG 13 in München / Deutschland beitragen kann?

Wir fordern lediglich die Umsetzung ihrer eigenen Beschlüsse: Deutschland wird seine Sektorenziele 2030 mit großer Sicherheit verfehlen. Hier fordern wir die sofortige Umsetzung sämtlicher entsprechenden Maßnahmen. Doch in einem Land, in dem sich beispielsweise das Verkehrsministerium offen über Entscheidungen des Umweltministeriums hinwegsetzt, sehen wir bezüglich der Umsetzung schwarz. Es braucht hier mutige und vor allem schnelle politische Entscheidungen. Gerade was den Klimaschutz angeht, sollten unsere Politiker*innen endlich lernen über ihre Legislaturperioden hinauszudenken und vor allem -zuhandeln.

Wie versuchst du persönlich den Klimawandel zu bekämpfen? Und mit welcher ‚Aktivität’ hätten wir als Bürger*innen den größten Erfolg bei der Umsetzung des SDG 13?

Da ich in einer Stadt lebe, brauche ich – trotz Kindern – kein Auto: Wir fahren ganzjährig Fahrrad oder nutzen gelegentlich den ÖPNV, Flugreisen machen wir so gut wie nie (zwei in den letzten sieben Jahren). Unsere Familie lebt vegetarisch, ist (Gründungs)mitglied der solidarischen Landwirtschafts-Genossenschaft Kartoffelkombinat, das heißt, wir ernähren uns regional und saisonal und wir trinken größtenteils Leitungswasser. Wir sind bei einem Ökostromanbieter, durch den wir auch den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien unterstützen. Des Weiteren versuche ich, möglichst müll- und plastikarm zu leben, stelle sämtliche Wasch- und Putzmittel sowie einige Kosmetika selbst her. Dennoch gilt: Ausnahmen sind erlaubt und der Spaß an der Sache darf niemals verloren gehen! Ach, unkompliziert und schnell sollten meine Öko-Lösungen dann auch noch sein, denn als in Vollzeit arbeitende Mutter, ist Zeit bei mir Mangelware. Wenn das Ganze dann auf ein schönes, zeitgemäßes Design trifft, bin ich restlos glücklich.

Vielen Dank liebe Mona!

 


Die Kampagne #StopUngleichheit wird von der Europäischen Union finanziell unterstützt. Die inhaltliche Ausrichtung liegt jedoch in der alleinigen Verantwortung von WECF e.V., sie gibt unter keinen Umständen die Positionen der Europäischen Union wieder.


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