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Bund Naturschutz in Bayern e.V. zu SDG 15 – Dr. Ernst Habersbrunner von der Ortsgruppe München West

Mit dem 15. Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen sollen u.a. Landökosysteme geschützt, wiederhergestellt und ihre nachhaltige Nutzung gefördert werden. Wälder sollen nachhaltig bewirtschaftet, Bodendegradation beendet und umgekehrt und dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende gesetzt werden.

16.09.2018 |




Dr. Ernst Habersbrunner,        
1.Vorsitzender, BN - Ortsgruppe München West

Neben dem Aufgreifen des SDG15 in die Deutsche NH-Strategie, gibt es ja bereits viele weitere Strategien wie die ‚Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt’ – wird Dtl. diesem Ansporn in der Umsetzung gerecht?

Wie die ‚Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt’ formuliert ist, legen beispielsweise die Ereignisse um den Hambacher Forst alles bloß, was die Aufrichtigkeit bundesdeutscher Umweltpolitik sowohl in Hinblick auf Klima- und Energiepolitik und insbesondere auf Biodiversität angeht. In der Landwirtschaftspolitik erfolgt trotz allen Erkenntnissen zum Insektensterben kein Umdenken (z.B. Glyphosat). Zudem existiert ein fehlendes Managementverhalten hinsichtlich der Rückkehr großer Beutegreifer wie Luchs, Wolf und Bär, da es keine ausreichende Unterstützung für Weidetierhalter, keine suffiziente Strafverfolgung bei Tötungen von Luchsen, Raubvögeln etc. gibt. 

Anstatt mit dem Finger auf D. Trump zu zeigen, sollte unsere Bundesregierung selbst ihre Lippenbekenntnisse hinsichtlich des Klimaschutzes umsetzen und bspw. den ehrlichen und zeitnahen Kohleausstieg vorantreiben. Leider werden Biodiversität und Klimapolitik oft gegeneinander ausgespielt (insb. Windkraft und Wasserkraft, aber auch Photovoltaik). Leider wurden Ansätze respektabler Umweltminister*innen von der ansonsten lobby- und wirtschaftsgesteuerten Regierung unterminiert. Auf Kosten von Umwelt und Bürger*innen werden lediglich Großkonzerne unterstützt; Bürgerinitiativen u.ä. bleiben auf der Strecke. Es ist schon erstaunlich wie uns die EU umweltpolitisch links und rechts überholt hat, obwohl Deutschland ja dort angeblich das Sagen hat. 

Positiv zu erwähnen ist, dass auf Landesebene in einigen Punkten etwas erreicht wurde, bspw. die 10 m-Schutzzone für Fließgewässer, die lediglich in Bayern nicht ratifiziert wurde. Positive Ergebnisse werden aber vorwiegend erreicht, wenn Verbände mitwirken können. z.B. diverse Artenschutzprojekte.




Wie könnte denn mit Zielkonflikten wie dem Wohnungs- und Platzmangel in München und gleichzeitig dem Erhalt von Ökosystemen und biologischer Vielfalt besser umgegangen werden?

Gerade in der Innenstadt gehen ökologisch relevante Flächen verloren für relativ wenige (Luxus-)Wohnungen. Der Schutz von Flächen, welche für die Biodiversität von Bedeutung sind und damit ein flächensparendes Bauen sollten im Vordergrund stehen; das bedeutet keine Bau-, Möbel- u. Großmärkte sowie mehr Hochbauten und Tiefgaragen statt Flächen-parkplätzen. Diese Bauten sollten begrünt werden, auch zusammen mit Photovoltaik auf Dächern. „Freizeitflächen“ müssen ausreichend vorhanden sein, um den Druck von ökosystemrelevanten Flächen zu nehmen. Beide müssen strikt getrennt sein. Aber leider passiert im Moment genau das Gegenteil. 

Das Einhalten von Grünzügen ist für eine saubere Luftversorgung der Stadt wichtig, ebenso wie die Umsetzung einer fahrradfreundlichen Verkehrspolitik (Bsp. Niederlande), die „Bebuntung“ aller freien Flächen mit heimischem/autochthonem Saat- und Pflanzmaterial. Ein Beispiel ist das Straßenbegleitbunt - in München gab es bereits einen Stadtratsbeschluss, den das Gartenbauamt aber nicht umgesetzt hat.
 

Wie setzt sich die Ortsgruppe München West für die Umsetzung des SDG 15 ein?

Der Bund Naturschutz setzt sich sehr vielfältig ein, u.a. für die Nachvermehrung seltener heimischer/autochthoner Pflanzen; den Erhalt, die Pflege und Neuanlage von Ökosystemen, insbesondere Magerrasen, Hecken und Kleingewässer. Auch die wertvollen Straßenböschungen, die der Erneuerung einer Bahnüberführung zum Opfer fallen, werden wiederhergestellt und mit unserem Saat- u. Pflanzgut aus der Nachvermehrung wieder bebuntet. Das Konzept hat der BN für die DB erstellt. 

Wir führen Schutz- und Einzelmaßnahmen durch, insbes. für Zauneidechse, Laubfrosch, Wechselkröte und Wildbienen. Wir begleiten oder setzen uns gegen Baumaßnahmen und Baumfällungen ein, und arbeiten bei Planungsmaßnahmen mit. Derzeit läuft das Projekt Wissenschaft und Pragmatismus bzw. Archiv und Arche Noah auf dem Gelände der Zoologischen Staatssammlung München, deren Fläche wir „ökologisieren“. 

 


Wie kann jede*r Bürger*in einen Beitrag zur Umsetzung des SDG15 leisten? 
 

Bürger*innen können auf zwei Wegen einen Beitrag leisten – zum einen indem sie sich mit ihrer Lebensweise etwas umstellen, zum anderen indem sie proaktiv ein positives Zeichen setzen. Das bedeutet beispielsweise: 

  • beim Konsum: Mehr Bio und weniger Fleisch; Reparieren statt Wegschmeißen.

  • bei Mobilität: Fahrrad und öffentlichen Verkehr nutzen; Lebensweise so einrichten, dass Flüge und KFZs überflüssig werden.

  • im Freizeitverhalten: Wandern u. Spazieren nur auf Wegen; Hunde an die Leine. 

  • sich politisch für die Ziele engagieren, durch eine aktive Parteipolitik oder überparteiliches ehrenamtliches Engagement. Demos und Bürgerbegehren unterstützen.

  • Naturschutz- und Umweltverbände unterstützen. Persönliche Mitarbeit bei Biotopmaßnahmen (denn nur was man kennt, liebt man und nur was man liebt, schützt man). 

  • sich für Bebuntung öffentlicher Flächen einsetzen (im eigenen Umfeld). 

  • im eigenen Garten: Keine Herbizide und keine Pestizide anwenden. Auf heimische Pflanzen, Blumenwiesen, Wildhecken und Wildblumen setzen. Trittsteinbiotope errichten. Gestaltungsmöglichkeiten auf dem Balkon und Dächern nutzen (siehe Naturgarten e.V.)

  • bei Urban Gardening unbedingt auf Artenbestimmung achten. Oftmals handelt es sich schon um wertvolle Biotopelemente, die sonst unter den Gartenspaten kommen. 


Welche Rolle spielt Gender im Naturschutz?

Umweltschützer*innen bzw. Arten- und Biotopschützer*innen sind prinzipiell eine Minderheit. In dieser engen Situation können wir uns innerhalb unserer Truppe keine Genderproblematik leisten. In unserer Ortsgruppe sind Frauen und Männer aktiv und engagiert. Aufgrund der oft sehr harten körperlichen Arbeit auf dem Gelände oft mit Einsatz von Großgeräten entwickelt sich dennoch gerne eine männliche Attitüde.

 

Diesen Beitrag finden Sie auch hier im PDF Format.

 

Landesverband Bayern des Bundes für Umwelt und Naturschutz Dtl. e.V.
BN - Ortsgruppe München West
www.bn-muenchen.de, info@bn-muenchen.de


Die Kampagne #StopUngleichheit wird von der Europäischen Union finanziell unterstützt. Die inhaltliche Ausrichtung liegt jedoch in der alleinigen Verantwortung von WECF e.V., sie gibt unter keinen Umständen die Positionen der Europäischen Union wieder.


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