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Von der Nahrungsmittelproduktion zu den Auswirkungen unseres Nahrungsmittelkonsums

Aktuelle Situation zu SDG 2 für Frauen und Männer in Deutschland

13.06.2018 |




‚Hungern muss in Deutschland niemand’ – diese Aussage entspricht leider nicht ganz der Wahrheit. Im Kontrast zum Lebensmittelüberfluss und der Lebensmittelverschwendung in einem der reichsten Länder gibt es auch in Deutschland Menschen, die von einer unangemessenen und unausgewogenen Ernährung bzw. Fehl- und Unterernährung betroffen sind. 

Obwohl es auf unserer Erde und vor allem in Deutschland genügend Nahrung für Alle gibt, sind Fehl- und Unterernährung noch immer ein Thema. Neben der ungerechten Verteilung der vorhandenen Nahrungsmittel sind auch kulturelle Aspekte und mangelndes Bewusstsein dafür verantwortlich. Problematisch ist zudem die wachsende Nachfrage an sofort verfügbaren günstigen und/oder internationalen Produkten, der hohe und nicht nachhaltige Fleisch- und Fischkonsum, Lebensmittelspekulationen sowie die steigende Lebensmittelverschwendung. 

Sind Lichtblicke in Sicht? Nachhaltigkeit in der Ernährungskette gewinnt in Deutschland immer mehr an Zustimmung. Mittlerweile verzichten 8 Millionen Deutsche auf Fleisch, während es bereits 1,3 Millionen Veganer*innen gibt. Von diesen sind 81% Frauen. Sie gelten als Vorreiter in Sachen gesunde Ernährung, verzehren weniger Fast Food (w: 27%, m: 37%) und etwas weniger Süßigkeiten (w: 21%, m: 22%), kochen öfter und essen häufiger Obst und Gemüse (w: 85%, m: 66%). Auch Bio- und Fairtrade-Produkte spielen vor allem bei Frauen eine immer größere Rolle. Doch auch unter Frauen gibt es große Unterschiede. So genießen die Veganer*innen in Deutschland überwiegend einen hohen Bildungsstand und sind zwischen 20 bis 39 Jahre alt.

Die vegane, gesunde und nachhaltige Ernährung steht ganz klar in Verbindung mit dem Einkommen und Status einer Person, denn die Mehrkosten für Bio- und Fairtrade-Produkte sind nicht unerheblich für den Geldbeutel. Diese kreieren, ebenso wie mangelnde Bildung, Handlungsbarrieren zur bewussten und gesunden Ernährung. Vom knappen Geldbeutel sind vor allem Frauen im hohen Alter betroffen, da sie durch Teilzeit-Jobs, Sorgetätigkeiten und einem noch immer existierenden gravierenden Gender-Pay-Gap während ihres Berufslebens auch im Durchschnitt 46% weniger Rente als Männer bekommen. Das sorgt dafür, dass immer mehr ältere Frauen die Tafel in Deutschland besuchen.

Von einer Unter- bzw. Fehlernährung in Deutschland sind oft Personen betroffen, die von Hartz-IV leben, insbesondere Kinder und Alleinerziehende, sowie Rentner und Flüchtlinge. Die Zahl der Frauen unter ihnen ist groß. Laut des Ernährungswissenschaftlers Hans Konrad Biesalski der Uni Hohenheim sind viele Deutsche von einem „versteckten Hunger“ betroffen, einem Mangel an wichtigen Nährstoffen. Konzentrationsschwächen und Wachstumsstörungen können oft die Folgen eines Nährstoffmangels sein. Insbesondere die Kinder von sozialschwachen Personen können dadurch in einen schwer zu durchbrechenden Kreislauf geraten. Die Konzentrationsschwäche sowie vereinzelte Krankheiten aufgrund der Fehlernährung können zu einer niedrigen Produktivität und schlechten Schulleistungen führen, die wiederum die Wahrscheinlichkeit auf einen gut bezahlten Job verringern. Sozial schlechter gestellte Familien müssen dann meistens ihre Priorität auf die Existenzsicherung statt auf eine gesunde und nachhaltige Ernährung legen. Diese Thematik wird jedoch noch unzureichend in der Politik beleuchtet, sowohl in dem Armutsbericht der Bundesregierung als auch in der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie.

Die falsche Ernährung kann zu Diabetes, Bluthochdruck, einem erhöhten Krebsrisiko sowie zu Übergewichtigkeit und Fettleibigkeit führen. Alarmierend sind die Zahlen für unser Gewicht. 37% aller Frauen im erwerbsfähigen Alter sind übergewichtig, bei den Männern sind es sogar 59%. Diese Zahl der betroffenen Personen erhöht sich mit zunehmendem Alter – nach dem Ende des Berufslebens sind 56,3% aller Frauen von Übergewichtigkeit betroffen, 74,2% der Männer. Auch die Rate der von Fettleibigkeit (Adipositas) betroffenen Menschen nimmt ein erschreckendes Ausmaß an, und stieg um 24,2% bei den Frauen sowie um 40% bei den Männern von 1999 bis 2013.

Aufgrund der unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse ist es wichtig, in Deutschland eine Gleichstellung zwischen den Geschlechtern über alle 17 Nachhaltigkeitsziele hinaus zu erreichen. Darunter zählt die gleiche Teilnahme, Mitsprache und Entscheidungsmacht in politischen Gremien wie auch in Unternehmen, so bspw. in landwirtschaftlichen Betrieben. Die Agrarwelt ist jedoch noch immer stark von Männern dominiert, was sich darin zeigt, dass der Anteil der Frauen in der Funktion als Betriebsinhaber in der Landwirtschaft noch immer nur 9% beträgt während Frauen mit 38% in der Landwirtschaft als helfende Kraft aktiv sind - „Die stehen im Stall und melken, während sich die Männer bei den Versammlungen treffen. Das war schon immer so. Für Frauen ist es nicht einfach, in den Bauernverbänden Fuß zu fassen. Das ist einfach so eine Männerdomäne“, so Landwirtin Johanna Böse-Hartje. 

Hier finden Sie den gesamten Artkel.

 

Quellen und weiterführende Links

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2018) Deutschland, wie es isst - Der BMEL-Ernährungsreport 2018. Online verfügbar unter: https://www.bmel.de/DE/Ernaehrung/_Texte/Ernaehrungsreport2018.html.

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2015) Welternährung verstehen - Fakten und Hintergründe. Online verfügbar unter: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Welternaehrung-verstehen.html.

Bundesregierung (2017) Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Online verfügbar unter: https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Infodienst/2017/01/2017-01-11-Nachhaltigkeitsstrategie/2017-01-10-Nachhaltigkeitsstrategie_2016.html.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (2016) 13. DGE-Ernährungsbericht. Online verfügbar unter: Online teilweise verfügbar unter: https://www.dge.de/wissenschaft/ernaehrungsberichte/13-dge-ernaehrungsbericht/.

Tagesspiegel (2015) „Hunger ist auch in Deutschland ein wachsendes Problem“. Online verfügbar unter: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ernaehrung-in-der-welt-hunger-ist-auch-in-deutschland-ein-wachsendes-problem/11211426.html.

TAZ (2017) Frauen in der Landwirtschaft - Einfach eine Männerdomäne. Online verfügbar unter: http://www.taz.de/!5426872/.

ZEIT Online (2018) Frauen in der Landwirtschaft. Online verfügbar unter: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-03/gleichberechtigung-landwirtschaft-landfrauen-feminismus-schwaebische-alb.


Die Kampagne #StopUngleichheit wird von der Europäischen Union finanziell unterstützt. Die inhaltliche Ausrichtung liegt jedoch in der alleinigen Verantwortung von WECF e.V., sie gibt unter keinen Umständen die Positionen der Europäischen Union wieder.

 


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