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Wasser und die Millenniumsziele

Neue Großstaudämme lösen das Energieproblem nicht - Fortschritte in der Sanitärversorgung dringend notwendig

16.11.2011 | Pressemitteilung


Anlässlich der heute beginnenden Bonner Konferenz „The Water, Energy and Food Security Nexus – Water Resources in the Green Economy“ informierte das Forum Umwelt & Entwicklung heute über aktuelle wasserpolitische Entwicklungen auf internationaler und europäischer Ebene.

Die zentrale Forderung ist, das Menschenrecht auf Wasser inklusive des Rechts auf sanitäre Grundversorgung zu gewährleisten und in den UN-Mitgliedsstaaten umzusetzen. Zu den wichtigsten Herausforderungen gehört hierbei, Fortschritte bei der sanitären Grundversorgung zu erreichen und Menschenrechtsverletzungen sowie ökologisch verheerenden Folgen der Errichtung von Großstaudämmen zu begegnen.

Auf ihrer heute in Bonn abgehaltenen Pressekonferenz mahnen Vertreter der im Forum Umwelt und Entwicklung zusammengeschlossenen Umwelt- und Entwicklungsverbände gemeinsam mit europäischen und weltweiten Initiativen die rechtliche und tatsächliche Implementierung des Rechts auf Wasser in den UN-Mitgliedsstaaten an.

Das Menschenrecht auf Wasser ist unteilbar mit einer sanitären Versorgung verbunden. Hygiene- und Sanitärversorgung ist ein Paradebeispiel für den Nexus-Ansatz Wasser-Energie-Lebensmittelsicherheit. Erstens werden durch eine nachhaltige Sanitärversorgung Wasserressourcen geschont und geschützt, zweitens werden durch Einsparung von synthetischem Dünger durch produktive Sanitärsysteme erhebliche Energiemengen eingespart und die Lebensmittelsicherheit erhöht. Drittens ist eine verbesserte Gesundheits­situation durch nachhaltige Hygiene- und Sanitärbedingungen die Voraussetzung für eine erfolgreiche Green Economy. „Nur Menschen, die nicht ständig durch mangelnde Hygiene- und Sanitärbedingungen krank sind, können zur Wasser-, Energie- und Lebensmittelsicherheit einer Gesellschaft beitragen“, fasst Claudia Wendland vom WECF zusammen.

Während in vielen Teilen der Welt noch immer von Bergbau, Industrie und Landwirtschaft vergiftete Flüsse das Bild prägen, zeigt die EU mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, wie Gewässerschutz grenzübergreifend gestaltet werden kann. Doch selbst hier führt die mangelnde Integration wasserbezogener Umweltvorschriften zu Rückschritten. Der im Zuge der Biomasseförderung verstärkt betriebene Anbau von Maiskulturen führt in einer Reihe von Regionen sogar zu einer Zunahme von Nährstoffbelastungen und konterkariert die von den Wasserbehörden initiierten Maßnahmen. Schutzziele für Flüsse und Seen, das Grundwasser und den Meeresschutz werden verfehlt. „Darüber hinaus vermissen wir noch immer den Durchbruch in der Europäischen Agrarpolitik. Hier wird eine große Chance vergeben“, kommentiert Michael Bender von der GRÜNEN LIGA. Auch der zunehmende Ausbau der Wasserkraft, insbesondere in den Gebirgsregionen, stellt bereits erzielte Fortschritte in Frage, auch außerhalb von Europa.

Heike Drillisch von GegenStrömung sieht einen neuen Staudammboom, der die letzten frei fließenden Flüsse der Erde zu zerstören droht - mit unabsehbaren Folgen für die Artenvielfalt und Millionen Menschen, die von den Flüssen leben: „Die Bedrohung durch den Klimawandel darf nicht zum Vorwand werden, Projekte mit schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen voranzutreiben, nur weil Wasserkraft erneuerbar ist.“

Den Großstaudammplänen hält Peter Bosshard die Vorteile alternativer erneuerbare Energieformen und lokaler Wasserprojekte entgegen, welche die Umwelt schonen, die Armut bekämpfen und heute meistens sogar billiger sind als Megastaudammprojekte: „Die Nexus-Konferenz von Bonn hat die Chance, im Hinblick auf Rio+20 die Weichen von den zentralistischen Technologien der Vergangenheit zugunsten von innovativen, dezentralen Wasser- und Energieprojekten zu stellen.“

Doch „klein“ ist nicht immer gleichzusetzen mit „unbedenklich“, wie Ercan Ayboga aus seinen Erfahrungen in der Türkei berichtet, in der fast das ganze Land mit Dämmen überzogen werden soll: „Selbst kleine Wasserkraftwerke können dramatische Folgen für die Anwohner haben und ihnen den Zugang zu Wasser verwehren, wenn sie nicht mit ihrer Beteiligung geplant sind.“

Weitere Hintergrund-Informationen enthält das englischsprachige Positionspapier „Water for Life“, das die GRÜNE LIGA und das Forum Umwelt und Entwicklung in Kooperation mit WECF, Gegenströmung, International Rivers, dem Global Nature Fund (Living Lakes), der Bodenseestiftung, infoe und dem Netzwerk UNSER Wasser heute vorstellt.

Kontakt: Dr. Claudia Wendland
E-Mail: claudia.wendland@wecf.eu
Mobil: 0172/4143901

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