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Gestörte Weiblichkeit

Endokrine Disruptoren und das weibliche Fortpflanzungssystem - Ein Bericht über den Workshop „Women’s Reproductive Health and the Environment”

15.04.2010




New WECF publication on endocrine disrupters and women’s reproductive health and report about the workshop „Women’s Reproductive Health and the Environment” (text in German)

Download Broschüre "Gestörte Weiblichkeit" als PDF-Datei

Millionen Mädchen und Frauen weltweit leiden immer häufiger an frühzeitiger Pubertät, Unfruchtbarkeit und Brust­krebs. In Deutschland sind beispielsweise 15% aller Paare zumindest zeitweise von ungewollter Kinderlosigkeit betrof­fen, etwa jede zehnte Frau in Europa erkrankt an Brustkrebs. Doch woher kommt die Zunahme dieser Fortpflanzungs­störungen und Erkrankungen bei Frauen? Eine Erklärung könnte die vermehrte Belastung durch hormonell wirksame oder hormonartig wirkende Substanzen sein, sogenannte endokrine Disruptoren.

Aufgerüttelt durch Berichte über die Verringerung der Spermienzahl hatte sich die Forschung zu endokrinen Disruptoren zunächst auf Männer fokussiert. Aber wo steht die Wissenschaft im Hinblick auf die Wirkung endo­kriner Disruptoren und das weibliche Fortpflanzungssystem?

Dieser Frage sind 18 führende Wissenschaftler(innen) – spezialisiert auf endokrine Disruptoren und das weibli­che Fortpflanzungssystem – in Commonweal, einem gemeinnützigen Forschungsinstitut für Umwelt und Gesund­heit in Kalifornien nachgegangen. Das Ergebnis dieses Workshops „Women’s Reproductive Health and the Envi­ronment“ ist Gegenstand der amerikanischen Publikation „Girl, Disrupted“. Diese haben wir von WECF – Women in Europe for a Common Future – für Sie, liebe Leserinnen und Leser, ins Deutsche übersetzt und relevante Stellen durch Informationen über die Situation in Deutschland und Europa ergänzt und farbig hervorgehoben. Die Publikation konzentriert sich auf das weibliche Fortpflanzungssystem und die Wirkung endokriner Disrupto­ren. Dass das männliche Fortpflanzungssystem ebenfalls negative Entwicklungen unter dem Einfluss endokriner Disruptoren aufzeigt, ist gedanklich mit einbezogen.

Veränderungen des weiblichen Körpers - von der fötalen Entwicklung über die Pubertät und Schwanger­schaft bis zu den Jahren nach der Menopause – werden durch Hormone angestoßen. Ein Hormonsystem im Gleichgewicht ist die Basis für eine gesunde Entwicklung, auch für die Entwicklung der Fortpflanzungsfähigkeit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen vermehrt, dass einige industrielle Chemikalien, bekannt als endokrin wirksame Stoffe oder endokrine Disruptoren, wie Hormone wirken. Sie können Entwicklungen zum falschen Zeitpunkt in Gang setzen und so unter anderem zu verschiedenen Krankheiten oder Fehlbildungen führen. Ein schmerzhaftes Beispiel dieses Mechanismus ist die Contergan-Tragödie der 1960er Jahre.

In den letzten 70 Jahren wurden mehr als 80.000 Chemikalien für den Handel neu registriert. Nicht alle sind gesundheitsschädigend, aber viel zu wenige sind wirklich auf ihre Gesundheitsrisiken überprüft. Nicht wenige stehen in Verdacht erbgutverändernd krebserregend, bio-akkumulativ und eben hormonell wirksam zu sein.

Unser herzlicher Dank geht an unsere amerikanischen Kolleginnen und Kollegen von Collaborative on Health and Environment (CHE), der Universitiy of Florida (UF) und der University of California San Francisco (UCSF), die sich der Frage des Zusammenhangs der Exposition gegenüber bestimmter untersuchter Chemikalien und Erkrankungen im weiblichen Fortpflanzungssystem angenommen und uns diesen Bericht zur Verfügung gestellt haben. Die Übersetzung der interessanten und zugleich erschreckenden Ergebnisse des Workshops ermöglicht es uns, ein hoch brisantes Thema an die deutschsprachige Öffentlichkeit zu bringen. WECF möchte alle Verant­wortlichen in Politik und Industrie anregen, die Nutzung von Chemikalien, die die Gesundheit schädigen und das Hormonsystem beeinflussen, zu überdenken – im Sinne der Gesundheit unserer Gesellschaft und zukünfti­ger Generationen.



Kontakt:

Johanna Hausmann, Presse und Öffentlichkeitsarbeit johanna.hausmann@wecf.eu